Von Schloss Hegi via Arbon zum Fraumünster

Auf eine Rundfahrt durch die Ostschweiz nehme ich Sie mit. Es ist auch eine Fahrt in eine ferne Geschichte mit turbulenten Zeiten. Doch wir finden davon immer noch deutliche Spuren. Etappenorte unserer Reise sind das Schloss Hegi, die Stadt Konstanz am Bodensee, das Schloss Arbon ebenfalls am Bodensee, die reformierte Kirche in Turbenthal sowie Zürich mit dem Amtshaus und dem Fraumünster. Zwischen diesen Orten gibt es Zusammenhänge. Und wir treffen einige interessante Persönlichkeiten, die miteinander verwoben sind.

Ich beginne mit meinem Freund Viktor aus Winterthur. Er ist auch Schauspieler. Er spielt Hugo. Nicht irgendeinen Hugo. Er spielt Bischof Hugo von Hohenlandenberg. Hugo dürfte 1460 im Schloss Hegi bei Winterthur auf die Welt gekommen sein. Das Schloss gehörte einer weitverzweigten und bedeutenden Adelsfamilie. Viktor tritt bei szenischen Theater-Rundgängen im Schloss Hegi als Bischof Hugo auf. Bischof von Konstanz war Hugo von 1496 bis 1526 sowie 1531/32. Das Bistum Konstanz war damals das grösste Bistum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Auch die halbe Eidgenossenschaft gehörte dazu. Begraben wurde Bischof Hugo in Meersburg, auf der Nordseite des Bodensees. Eigentlich hatte er die Kirche in Turbenthal für seine letzte Ruhestätte vorgesehen. Er liess sie unter dem Patronat von Gallus extra dafür bauen, von 1512 bis 1517. Turbenthal liegt im Tösstal, unterhalb der Ruine Hohenlandenberg. Die Landenberger standen im ausgehenden Mittelalter an der Spitze des Ostschweizer Adels. Schon Mitte des 15. Jahrhunderts war einer von ihnen Bischof von Konstanz und ein anderer Abt von Sankt Gallen.

Turbenthal feierte im Jahr 2017 das Jubiläum 500 Jahre Kirche. Am 1. Januar und am 31. Dezember 2017 trat auch Bischof Hugo in vollem Ornat in der Kirche auf. Er bildete die Klammer des Jubiläums in der heute reformierten Kirche. Ich durfte Viktor alias Bischof Hugo als dessen Generalvikar Johann Fabri begleiten. Klar, dass ich mich 2017 in die Geschichten rund um Hugo von Hohenlandenberg einlas. Er weist eine spannende Biografie auf, engagierte sich als Bischof für viele Reformen – hatte aber der Radikalität des Reformators Zwingli und dessen Anhänger zu wenig entgegenzusetzen. Er prägte den Bodenseeraum als Auftraggeber von Sakral- und Profanbauten sowie von kostbaren Altären, Wand und Glasmalereien. (Mehr dazu lesen Sie bei Peter Niederhäuser, „Von der Adels- zur Dorfkirche. 500 Jahre Kirche Turbenthal“ und in „Umbruch am Bodensee. Vom Konstanzer Konzil zur Reformation“, herausgegeben von Silvia Volkart.)

Eines der Bauwerke ist Schloss Arbon, errichtet 1515 bis 1520 als Zweitresidenz. Als Standort hatte er das zum Bischofsbesitz gehörende Arbon ausgewählt. Die hochmittelalterliche Burg wurde abgerissen, ein Neubau mit kostbarer Innenausstattung hingestellt. Der Landenbergsaal zeugt bis heute von alter Geschichte. Obwohl ich in Arbon aufgewachsen bin, wurde mir erst spät klar, was es historisch mit Schloss und Bistum Konstanz auf sich hat. Dass bereits Gallus in Arbon lebte (und starb), soll hier nur kurz erwähnt sein. Die Galluskapelle erinnert an ihn, der im 7. Jahrhundert aus den Vogesen an den Bodensee kam und hier blieb.

Unsere Reise führt am Bodensee entlang nach Konstanz, über den Seerücken nach Winterthur, das im 15. Jahrhundert Hauptstadt des Thurgaus war. Wir gehen an Schloss Hegi vorbei und über die Töss durchs Kemptthal bis an die Limmat mitten in Zürich.

Auf der rechten Limmatseite, bei der Wasserkirche, sehen wir ein Denkmal für Ulrich Zwingli. Er kam 1519 nach Zürich und war an der Reformation in der Stadt beteiligt. Lesen Sie hier mehr dazu, speziell zu Schattenseiten jener Zeit.

Auf der linken Seite sehen wir das Fraumünster. Und nebenan befindet sich das Amtshaus. Im Amtshaus hat die Stadtpräsidentin Corine Mauch ihr Büro. Sie ist die erste Frau in diesem Amt. Genauer,  die erste in der Neuzeit.  Denn wo heute das Amtshaus steht, gab es im Mittelalter die Fraumünster-Abtei der Benediktinerinnen. Die Fürstäbtissinnen waren seit 1218, nach dem Aussterben der Herzöge von Zähringen,  Reichsfürstinnen sowie Stadtherrinnen von Zürich. Das änderte sich mit dem Stärkerwerden der Städte und dem Schwächerwerden der Klöster. In der Reformation verloren Klöster ihre letzten Einflussmöglichkeiten.

Katharina von Zimmern soll ihre Abtei 1524 „freiwillig“ an die Stadt übertragen haben.

Hugo von Hohenlandenberg und Katharina von Zimmern waren in und für Zürich zwei Persönlichkeiten, die im Schatten von Zwingli normalerweise vergessen bleiben. Auf einer Rundfahrt durch die Ostschweiz tauchen sie auf.

Lesen Sie dazu auch einen Artikel des Winterthurer Historikers Peter Niederhäuser, erschienen am 28. Februar 2019 in der NZZ

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Buddha, Tara & Co am Himalaya und in Zürich

In den letzten Jahren waren Rosmarie und ich hie und da in Ländern unterwegs, in denen Buddhistinnen und Buddhisten leben. Als Mehrheit oder als Minderheit. Wir erkundeten ein Stück von Burma, von Laos und Vietnam, von Japan und von Indien auch unter dem Aspekt der Religionen und Philosophien vor Ort.

Im Jahr 2018 widmeten wir zwei Reisen dreimal dem tibetischen Buddhismus. Das Himalaya-Königreich Bhutan besuchten wir vom 20. April bis 8. Mai von Ost nach West auf der einzigen Hauptstrasse, die quer durch das Land führt. Vom 27. September bis 20. Oktober bereisten wir einen kleinen Teil von Tibet und Nepal. Im Zentrum standen für uns Besuche zahlreicher Klöster und Tempel.

Zwei grosse Reportagen plus ein kurzer pfarrblatt-Artikel zu Bhutan sowie zu Tibet und Nepal sind hier nachzulesen.

Wer keine Möglichkeit hat, Reisen in die oben genannten Weltgegenden zu unternehmen, doch am Buddhismus interessiert ist, der und die kann nach Zürich ins Museum Rietberg fahren. Es zeigt bis 31. März 2019 die Ausstellung „Nächster Halt Nirvana – Annäherungen an den Buddhismus“. Anhand von Kunstwerken und Infotafeln gibt das Museum einen kleinen Einblick in die Anfänge des Buddhismus in Indien. Erzählt wird von dessen Ausbreitung nach China, in die Region des Himalaya, nach Japan, Südostasien und in die Schweiz.

Wir besuchten im Süden Nepals, im indisch-nepalischen Grenzgebiet, Lumbini, den Geburtsort des Siddharta Gautama, der später Buddha Shakyamuni, der schweigende Weise aus dem Geschlecht der Shakya, genannt wurde. Geburts- und Todesjahr sind jedoch nicht eindeutig festzumachen. Die einen nennen die Jahre 563 bis 483 als dessen Lebenszeit. Andere datieren Buddha 100 Jahre später ins 5. und 4. vorchristliche Jahrhundert. (Und nochmals andere äussern Zweifel daran, dass Siddharta Gautama gelebt hat.) Jedenfalls liegt in Lumbini ein Stein im Mayadevi-Tempel. Er zieht die Aufmerksamkeit auf sich, da Buddha auf ihm von seiner Mutter unter einem Salbaum geboren worden sei.
Erst rund 500 bis 400 Jahre nach seinem Tod schrieb man erste Berichte zu seinem Leben nieder. Dazu kamen im Lauf der Zeit weitere Erzählungen. Bis heute werden diese Episoden in ähnlicher Form in allen buddhistischen Ländern Asiens nacherzählt sowie in Tempeln und Klöstern nachgemalt. Sie erklären, warum und wie aus dem Prinzen Siddhartha ein Buddha wurde. Ob er tatsächlich ein Prinz war, ist jedoch ebenfalls umstritten.
Uns faszinierten in manchen Klöstern Bibliotheken, voll von alten Schriften. Man kann unter den Bücher-Galerien durchgehen, wenn man sich klein macht. Entweder beugt sich der Mensch von heute alten grossen Weisheiten oder er trägt symbolisch das Wissen der Welt auf seinem Rücken ein Stück weit mit.

Mit dem Verständnis heutiger Geschichtsschreibung kommen wir Buddha nicht näher. Das gilt ja auch für Jesus von Nazareth und andere berühmte Gestalten früherer Zeiten. Wirkungs-Geschichten sind wichtiger, kulturelle Phänomene.

Das Bild vom Wagen prägt zwei wichtige Zweige des Buddhismus: der grosse Wagen (Mahayana) und der kleine Wagen (Theravada). Aus dem Mahayana entwickelte sich der Vajrayana als dritter Weg. Er ist eine ab dem 4. Jahrhundert in Indien entstandene Strömung, die besonders die buddhistischen Traditionen auf dem Hochland von Tibet und auf der Südseite des Himalaya in Bhutan prägte sowie den Buddhismus in der Mongolei. Vielfalt macht die Buddhisten aus.

Um Ideologie geht es einem Buddhisten, einer Buddhistin nicht. Die Endung –ismus wird der Lehre nicht gerecht. Eher muss Leere erlebt werden: „vom Nichts die Fülle“. Leid überwinden, Schmerz überwinden, Begierden, den Tod. Buddha bedeutet „der Erwachte“, der „Erleuchtete“. Erwachen aus Täuschungen. Denn was ist, ist eigentlich Illusion. Dahinter findet sich Leere. Um so weit zu kommen, braucht es Meditation, Meditation und nochmals Meditation. Harte Arbeit. Das Nirwana schliesslich ist die Aufhebung aller Polaritäten.

Tönt philosophisch. Im Alltag haben wir auf unseren Reisen am Himalaya normales Leben und Unterwegssein auf anspruchsvollen Wegen beobachtet. Einen Alltag, der u.a. geprägt ist von hohen und höchsten Bergen, von Subsistenzwirtschaft – und von der fortschreitenden Klimaerwärmung bis dort hinauf, wo der Schnee wohnt.
Die Reportagen aus Bhutan, Tibet und Nepal geben einen kleinen Einblick.

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Unerwartetes aus Venedig – und aus dem Vatikan

Der Markusplatz in Venedig unter Wasser, Regen und Sturm über der Region. Aufnahmen von Hochwasser gingen Ende Oktober, Anfang November durch die Medien. Ist eine Reise nach Venedig zur Zeit kein Thema?

Bis 25. November gibt es dort auch ganz Anderes zu entdecken. Noch wenige Tage läuft die 16. Architekturbiennale zum Thema „Freespace“. Der Schweizer Pavillon „Svizzera 240: House Tour“ gewann übrigens den Goldenen Löwen, den ersten Preis für den besten Länderbeitrag.

Zum ersten Mal an einer Architekturbiennale vertreten ist der Vatikan. Er hat 10 Architektinnen und Architekten unterschiedlicher Generationen aus vier Kontinenten eingeladen, je eine „Kapelle“ zu bauen. Mitgemacht haben u.a. Norman Forster, Eduardo Souto de Moura, Terunobu Fujimori, Javier Corvalán, Carla Juaçaba und Francesco Cellini. Der Titel „Vaticans Chapels“ löst wohl andere Assoziationen aus, als die tatsächlichen Projekte ausstrahlen. Unerwartetes kommt in den Blick, keine Kopie von bereits Bekanntem. Platziert sind die „Chapels“ auf der Insel von San Giorgio, hinter Andrea Palladios revolutionärem Sakralbau-Meisterwerk San Giorgio Maggiore. Nach der Biennale könnten sie auch woanders aufgestellt werden, am besten im Kon-Text von Wald, Wasser, Himmel.

Nummer 3/2018 der Zeitschrift „kunst und kirche. Magazin für Kritik, Ästhetik und Religion“ berichtet in Wort und Bild von den 10 Versuchen zum Vor- und Nachdenken über moderne sakrale Architektur.

In der gleichen Nummer gibt es ein Gespräch mit Kardinal Gianfranco Ravasi. Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur macht darin (für Aussenstehende) unerwartete Anmerkungen. Er verneint, dass es je eine christliche Gesellschaft im wahrsten Sinn des Wortes gegeben habe. So könne man auch nicht von einem „christlichen Abendland“ sprechen. Prägungen gebe es, Inkulturation, die Zivilisationen mitformen. Er erwähnt positiv das Konzept des Individuums, die Freiheit des Subjektes und den Säkularismus – und kritisiert „einige Versuche der Kirche (manchmal abwegig, manchmal leider gewalttätig), einen Glauben und eine religiöse Kultur durch Herrschaft und Zwang durchzusetzen“. Und er warnt vor jenen Gruppen und Strömungen, die behaupten, die ausschliesslichen Hüter der christlichen Identität zu sein. Tradition als tradere (übermitteln, überliefern) verstanden, bedeute nämlich ständige Erneuerung.

Auf die Frage, ob zeitgenössische Kunstinterventionen der Kirche (wie auf der Architekturbiennale) als neues „aggiornamento“ (= aktualisieren, „zum heutigen Tag hinzufügen“) zu verstehen seien, antwortet der Kardinal mit zwei Amerkungen.
Ein öffentlicher Kulturraum, eine Kirche sei Ausdruck und Ergebnis von Gemeinschaften. Zwischen Gemeinden und Kunstschaffenden / Architekt*innen benötige es daher Vermittler*innen, „die es vermögen, den Kultraum als Erfahrung des gegenseitigen Zuhörens und der Bildung zu realisieren“.
Zudem sei es, falls eine neue Kirche oder ein Sakralraum gebaut wird, für die Bedeutung und Würde, welche die Kirchen haben müssen, angemessen, „dass im Prozess der Planung eines heiligen Gebäudes alle Bewohner*innen eines Viertels einbezogen werden, damit die Präsenz einer Kirche nicht nur für die Anwesenden, sondern auch für diejenigen, die sie als fremdes Zeichen im Stadtgefüge sehen, Identifikation anbietet“.
Das sind klare Aussagen von Kardinal Ravasi, unerwartet für die einen, eine Bestätigung für andere. Bei letzteren denke ich an die Schweizerische Lukasgesellschaft für Kunst und Kirche. Sie engagiert sich für zeitgenössische Kunstinterventionen.

Der erstmalige Beitrag des Vatikans an der Architekturbiennale Venedig im Jahr 2018 inspiriert zu weiteren unerwarteten „kleinen Formaten“ in heutiger Zeit.
Und er erinnert mich an besuchte und sehenswerte Kapellen von Mario Botta im Tessin sowie von Peter Zumthor in Graubünden und Deutschland.

PS: Im Internet lässt sich die 16. Architekturbiennale mit zahlreichen Bildern der Länderbeiträge „begehen“. Oder Sie fahren selber in die Lagunenstadt und gehen zwischendurch trockenen Fusses über die Piazza San Marco.

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Woher kommt das «Echo der Zeit»?

Dem «Echo der Zeit» höre ich seit Jahrzehnten fast jeden Tag im Radio zu, auf SRF 1, SRF 2 Kultur oder SRF 4 News. Meist live, hie und da zeitverschoben via Play SRF App. Ich kenne einige Moderator*innen und Redaktor*innen von Führungen durchs Radiostudio Bern und freue mich, wenn ich deren Stimmen vernehme. Zudem wohne ich in der Nähe des Studios.

In diesen Tagen wirbelt der Entscheid des SRG-Verwaltungsrates ziemlich Staub in Bern auf: das Radiostudio soll teilweise nach Zürich an den Leutschenbach gezügelt werden, auch die Redaktion des «Echo der Zeit». Von Bern nach Zürich!

Unglaublich, entsetzlich, furchtbar – so tönt es in Bern. Der Protest dauert an, der Umzugsentscheid soll politisch rückgängig gemacht werden. Die Zürcher hätten ja keine Ahnung von der Schweiz, lese ich. Pedro Lenz meint sogar, „Zürcher glauben, sie seien der Mittelpunkt.“ (Dabei liegt der Kilometerstein O in Olten, wo Pedro Lenz wohnt und wohin ich zu vielen Sitzungen von Schweizerischen Gremien reiste…)

Wo sehe ich den Mittelpunkt der Schweiz? Mein Bürgerort liegt im Kanton Zürich. Aufgewachsen im und verbunden mit dem Oberthurgau am Bodensee, besuchte ich das Gymnasium in Appenzell und die Uni in Fribourg. Seit 41 Jahren lebe ich im Kanton Bern: in der Stadt Bern, im Seeland, in Köniz, im Emmental und jetzt wieder in der Stadt. Nach einigen Jahren als Hilfsgeistlicher „stieg“ ich auf zum Bernischen Staatsbeamten (ohne ein Wort Berndeutsch zu reden). Mein Lohn kam die ganze Zeit vom Kanton. Einen Mittelpunkt der Schweiz jedoch sehe und brauche ich nicht. Ich schätze die Vielfalt.

In der NZZ am Sonntag vom 23. September 2018 schreibt Michael Furger die Lektion 1 „Bern verstehen für Zürcher“. Er schreibt als Zürcher, der in Zürich arbeitet, aber im Grossraum Bern lebt. Nüchtern betrachtet seien die Klagen darüber, dass man Bern „noch mehr wegnehme“ (Pedro Lenz), ziemlich absurd. Aber das Verhältnis zwischen Bern und Zürich könne man nicht nüchtern betrachten, zumindest in Bern nicht.

Ich hätte da für das Selbstwertgefühl der Berner*innen ein «Echo aus alter Zeit» beizusteuern. Es handelt von Köniz in Bern und von einem Zürcher. Jeder kann es täglich sehen. Besuchen Sie das Berner Münster. Bleiben Sie vor dem Eingangsportal stehen. Betrachten Sie das Jüngste Gericht über dem Portal ganz genau. Was fällt Ihnen auf? Im Himmel oben links finden Sie das Könizer Wappen. Köniz war beim Bau des Berner Münsters reicher als Bern und hat den Bau beträchtlich mitfinanziert. Darum kommen Könizer*innen in den Himmel. (Ich habe 12 Jahre in Köniz gearbeitet. Ob das wohl genügt?)

Und was fällt in der Hölle auf? Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie unten rechts zwei grausige Dämonen. Einer von ihnen beisst einen Mann mit blau-weisser Weste. Gemäss Aussage eines ehemaligen Münsterturmwartes handelt es sich um einen Zürcher. Grund für diese Szene sei der Alte Zürich Krieg (1440 – 1446). Der Krieg habe Bern viel Geld gekostet, sie mussten den Bau des Münsters unterbrechen. Nach dem Krieg sei der ehemalige Feind Zürich in die Hölle des Münsterportals verbannt worden – als Echo der Zeit. So viel aus der Schweizer Geschichte.

Ein Teil des Radiostudios bleibt in Bern. Die Stadtregierung fordert sogar den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Information und Politik in Bern. Und der SRG-Direktor verspricht schon, in Bern eine neue Recherche-Redaktion einzurichten.

Es kann sein, dass das «Echo der Zeit» ab 2020 am Leutschenbach produziert wird und nicht mehr an der Aare. Das Münster mit seinem Echo aus alter Zeit thront aber weiterhin hoch über der Flussschlaufe.

In Bezug auf erhellende Informationen und Hintergründe zum Weltgeschehen ist mir wichtig, dass sie mein Ohr und mein Gehirn erreichen. Denn dem «Echo der Zeit» werde ich auch in den kommenden Jahren fast jeden Tag im Radio zuhören, wo immer ich mich gerade aufhalte, wo immer es produziert wird.

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